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(SV Lichtenberg 47)

Kein Edelmetall für Stefan Härtel bei den Olympischen Spielen in London

 
Es ist Montag, der 6.August um 21:36 Uhr in der Londoner ExCel Arena. Sämtliche Zuschauer erheben sich schlagartig von den Plätzen um mit Händen und Füßen einen Höllenlärm zu veranstalten. Denn der britische Mittelgewichtler Anthony Ogogo verlässt die Katakomben und betritt die Halle. Wenige Augenblicke später schreitet Stefan Härtel in die Arena, jedoch sind die Briten nur auf Ogogo fokussiert, damit entfällt erst einmal das ganz große Pfeifkonzert, was natürlich bei der Vorstellung des Deutschen im Ring nachgeholt wird. Äußerlich ganz cool und doch froh, dass die Warterei ein Ende hat, reichen sich beide Kämpfer noch einmal die Hände, bevor es zur Sache geht. Stefan ist ständig bemüht seine Kampfesführung dem Gegner aufzudrücken und fährt ein extrem hohes Tempo. Leider werden auch die Schläge des Briten auf die Deckung frenetisch gefeiert und Ogogo geht in Führung. Die Wertung im Vergleich, auch zu den vorangegangenen Kämpfen, ist ein Hohn. Stefan liegt nach der ersten Runde mit 3 Punkten in Rückstand. Wenn ein Kampfrichter die erste Runde mit 7:1 für Ogogo wertet, hat dies absolut nichts mit der Realität im Boxring zu tun. Damit musste Stefan den Druck in Runde 2 erhöhen. Was auch ihm sehr gut gelang. Ständig im Vorwärtsgang, konnte er mit seinen schnell geschlagenen Aktionen, sich einen leichten Vorteil erkämpfen. In der Punktwertung schlug es sich aber erneut nicht wieder, denn Ogogo bekam von den UNPARTEIISCHEN auch diese Runde zugesprochen. In Runde 3 hieß es dann nur noch Hop oder Top. Immer wieder stand Härtel Ogogo auf den Füßen. Beide lieferten sich einen erbitterten Schlagabtausch. Ogogo brach nach der ersten Kampfminute konditionell ein und suchte sein Heil diesmal im Festhalten und nicht im ausspucken des Zahnschutzes. Dem Ringrichter war es egal, denn es hielt ja nicht Härtel fest. Ogogo war schon fast stehend KO. Endlich kam für beide Olympioniken der lang ersehnte Gong. Fast unfähig zu stehen, völlig ausgepauert erreichte Stefan mühsam die Ecke. Mehr ging nicht, ich habe alles gegeben, waren die ersten Worte zu Bundestrainer Ralf Dickert und Valentin Silaghi. Mittlerweile nicht mehr überraschend bekam erneut diese Runde die rote Ecke zugesprochen. Ein Kampfrichter brachte es sogar fertig, diese Runde 7:2 für den Briten zu punkten, wahrscheinlich bewertete er den Geräuschpegel der roten und blauen Fanecke. Vom Hallensprecher wurde Ogogo mit 15:10 Punkten zum Sieger erklärt und in der Halle wurde erneut das Trommelfell strapaziert. Stefan entwichen alle Gesichtszüge und er konnte nur schwer diese Niederlage mit dem bitteren Beigeschmack verstehen. Wo war das neutrale Kampfgericht, das den olympischen Eid gesprochen hat. Nachdem der ukrainische Weltmeister bereits von den Referees gestoppt wurde, traf es jetzt auch Stefan Härtel. Hoffnungen nach dem Protest der Ukraine, der von der AIBA allerdings abgewiesen wurde, auf einen fairen Kampf, zerplatzten bereits nach der ersten Runde. Der Traum von einer Medaille bei den 30. Olympischen Spielen in London, welche schon in greifbare Nähe war, war ausgeträumt. Damit beendet Stefan die Olympischen Spiele mit einem hervorragenden 5. Platz im Mittelgewicht. Das Erlebnis Olympische Spiele, dreimal vor 10.000 Zuschauern zu kämpfen und einem tollen britischen Publikum sowie hervorragenden Gastgebern und Organisatoren kann ihm keiner nehmen.


Autor: frhä
Artikel vom 08.08.2012, 17:34 Uhr

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