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Hockey: (Reinickendorfer Füchse Berlin)
 
Dezimierte Füchse wehren sich in Kiel tapfer

Die Auswärtsfahrt nach der langen Länderspielpause verlief für die Füchse unter denkbar schlechten Vorzeichen. Trainer Dagur Sigurdsson musste gleich ohne fünf Spieler auskommen, es fehlten Stian Vatne, Konrad Wilczynski, Mark Bult, Silvio Heinevetter und Torsten Laen. Die ungewohnte Formation zeigte zunächst zu viel Respekt, legten den nach der Pause ab und kämpfte sich wieder auf zwei Tore heran. Am Ende gab es eine etwas zu hohe Niederlage mit 26:35 (10:20), mit der gezeigten Leistung und Einstellung war der Trainer dafür grundsätzlich zufrieden. Bester Torschütze war mit sieben Treffern Ivan Nincevic, der dabei alle drei Strafwürfe sicher verwandelte.

Beide Teams gingen deutlich geschwächt in die Partie des 27. Spieltages, die Favoritenrolle lag dennoch eindeutig beim THW Kiel. Dessen Nationalspieler hatten in den letzten Tagen teilweise eine recht beschwerliche Rückreise von ihren Nationalmannschaftsverpflichtungen hinter sich, so dass eine optimale Spielvorbereitung nicht möglich war. Am Nachmittag wurde zudem der Ausfall von Kim Andersson bis zum Saisonende bekannt gegeben. Bei den Gästen fehlten unterdessen gleich fünf Spieler, Abwehrchef Stian Vatne und Linksaußen Konrad Wilczynski konnten nach ihren Verletzungen bei der Europameisterschaft immer noch nicht mitwirken, Mark Bult laboriert an einer Verletzung der Patellasehne, ebenso fehlte Kreisläufer Torsten Laen und Torhüter Silvio Heinevetter konnte aufgrund einer Grippe die Reise nicht antreten. Im Kader der Gäste fanden sich mit Colja Löffler, Johannes Sellin und Torhüter Patrick Ziebert gleich drei Nachwuchsspieler, die allesamt zu Einsatzzeiten kamen.

Die ungewohnte Füchse-Formation hatte von Beginn an zu viel Respekt vor den favorisierten Hausherren und liefen einem Vorsprung hinerher. Über 5:2 und 7:5 baute der THW Kiel bereits beim 9:5 seine Führung erstmals auf vier Tore aus. Neben der sicheren Offensive war es vor allem Torhüter Thierry Omeyer, der den Gästen den Schneid abkaufte. Auf der anderen Seite war die Berliner Abwehr meist einen Schritt zu langsam gegen den dynamischen THW-Angriff. Ein Erfolgserlebnis durfte Ersatztorhüter Patrick Ziebert in der 14. Minute feiern, als er für einen Strafwurf für Petr Stochl eingewechselt wurde und Momir Illic über das Tor wirft. Trotz der Überlegenheit des THW halten die Füchse den Rückstand bis zum 13:9 in der 18. Minute konstant. Mit einer 3:2:1-Abwehr versuchen die Berliner nun die Kieler Dynamik zu unterbinden, Colja Löffler agiert vorgezogen an der Spitze. Die Hausherren lassen sich aber nicht einschüchtern, spielen weiter ihre Chance heraus und erhöhen nun Tor um Tor.

Immer wieder scheitern die Füchse mit teilweise guten Chancen am überragenden Omeyer. Zehn Minuten bleiben die Berliner ohne Tor, während der THW bis zum 17:9 erhöht. Momir Illic verwandelte dabei nach seinem ersten Patzer zwei Strafwürfe souverän. Beim 20:10-Halbzeitstand schien dann das Spiel bereits entschieden. Entsprechend stellte THW-Coach Alfred Gislason sein Team zur zweiten Halbzeit um, wollte nun den gesamten Kader einsetzen. So begann Andreas Palicka im Tor für Thierry Omeyer, auch Tobias Reichmann kam zu Spielanteilen. Den besseren Start erwischten allerdings die Gäste, die nun offensichtlich den Respekt des ersten Durchgangs abgelegt hatten. Ivan Nincevic, Rico Göde und Markus Richwien verkürzten auf 13:20 aus Sicht der Berliner.

Einen Aufreger für die Hausherren gab es dann in der 36. Minute, nachdem Bartlomiej Jaszka von Christian Zeitz in der Luft gestoßen wurde und unkontrolliert stürzte, gab es für den Kieler Halbrechten eine rote Karte. Damit kam ein Bruch ins THW-Spiel, das entschlossene Auftreten der Füchse schien zu verunsichern und führte auch zu unnötigen Kieler Fouls in der Abwehr. Die Berliner wussten ihre Chance zu nutzen, kamen bis auf 15:21 heran. Sie profitierten auch von der Einwechslung Palickas, der nicht an die Leistung Omeyers anknüpfen konnte. Zudem übernehmen alle Berliner Akteure Verantwortung für die fehlenden Kollegen, so erzielte Rico Göde in der 43. Minute bereits sein fünftes Tor zum 18:24.

Kiels Trainer Alfred Gislason reagierte, brachte Omeyer zurück ins Tor und versuchte das Spiel seines Teams wieder zu stabilisieren. Das gelang ihm allerdings nur bedingt, der Gegner hatte längst seine Chance gewittert und war nun hellwach. Immer wieder brachten Ballgewinne in der Abwehr die Tempogegenstöße für die einfachen Tore, Michal Kubisztal verwandelte so auch zum 23:26. Gislason reagierte mit der Auszeit und brachte nun auch Daniel Narcisse und Christian Sprenger zurück für Aron Palmarsson und Tobias Riechmann, obwohl der Isländer durchaus zu überzeugen wusste. Die Gäste setzten ihre Aufholjagd trotzdem weiter fort, in der 52. Minute traf Ivan Nincevic mit einem Strafwurf zum 25:27.

Der THW Kiel stand nun unter Druck, der sicher geglaubte Sieg geriet in Gefahr. Die Wende brachte dann die Einwechslung von Filip Jicha. Der tschechische Torschützenkönig der vergangenen Champions League-Saison erzielte drei Treffer in Folge und brachte die Schwarz-Weißen wieder auf die Siegerstraße. Beim 30:25 in der 55. Minute war dann das Spiel zugunsten des Favoriten entschieden. Bei den Berlinern schwanden damit die Kräfte und es fehlten die Reserven auf der Bank. Damit hatte der THW in den letzten Minuten leichtes Spiel, zwei Doppelschläge von Jicha und Narcisse, nur durch den letzter Berliner Treffer durch Kjetil Strand unterbrochen, brachten den Heimsieg für den THW Kiel mit 35:26.

Dagur Sigurdsson, Trainer Füchse Berlin: Kiel hat verdient gewonnen, Glückwunsch. Wir hatten am Anfang zu viel Respekt und haben die Konter und Gegenstöße nicht unterbunden. In der zweiten Halbzeit sind wir dann ins Spiel zurückgekommen gegen einen Gegner, der einen Gang zurückgeschaltet hat. Aber wir haben Kiel gezwungen wieder die erste Garde aufzubieten. Ich bin zufrieden über die Leistung und Einstellung meiner Spieler.


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Artikel vom 22.04.2010, 12:25 Uhr
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