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Handball: (Reinickendorfer Handball Füchse)
Angeschlagene Füchse siegreich - 29:26 gegen Hildesheim

Als beim Stand von 6:11 für Eintracht Hildesheim in der 16. Minute nur noch vier Füchse auf dem Parkett des Horst-Korber-Sportzentrums standen, feierten die 50 mitgereisten Hildesheimer Fans lautstark ihre Mannschaft, während die 450 Berliner ahnten, dass ein Debakel drohte. Dass am Ende doch die Berliner jubeln sollten, war zu diesem Zeitpunkt völlig undenkbar.
Stefan Matz, wegen einer fiebrigen Grippe zwei Wochen ohne Training und am Ende seines starke Auftritts von Wadenkrämpfen geplagt, hatte bis Mitte der ersten Halbzeit bereits 4 der sechs Berliner Treffer erzielt und war der einzige Lichtblick in einer konfus und ängstlich wirkenden Füchse-Mannschaft. Als Stupar dann wegen lautstarken Meckerns aufgrund eines nicht geahndeten Fouls ebenso auf die Bank musste wie Sekunden zuvor Denis Matthews, hatte Hildesheim die Chance, den 5-Tore-Vorsprung auszubauen.

Aber plötzlich zeigten die vier verbliebenen Füchse in der Abwehr die vorher vermisste Aggressivität, erkämpften sich den Ball, den Schücke mit einem Tempogegenstoß zum 7:11 verwerten konnte. Dies war der eigentliche Wendepunkt des Spiels. Bis zum 10:12, wiederum durch zwei herrliche Tore von Stefan Matz und einem erfolgreichen Tempogegenstoß von Schücke, kamen die Füchse ran, ehe die Hildesheimer, nach einer eindringlichen Auszeit von Gerald Overbeck, wieder auf 10:14 (25. Minute) davonziehen konnten.

Als Detlof dann mit einem Wurf in die zweite Etage bewies, dass ihm seine Handverletzung mehr als nur behinderte, reagierte Füchse-Coach Sviridenko und brachte für den glücklosen Alberto Chamber-Montalvo das Torwart-Urgestein Jörg Herrmann. In der Abwehr zog nun dauerhaft die nötige Aggressivität ein und zwei Minuten vor dem Ende der ersten Spielhälfte waren die Füchse beim 13:14 wieder auf Tuchfühlung. Zwar gelang Hildesheim noch ein Tor zum 13:15-Pausenstand, aber die beiden Aufholjagden stimmten die Berliner Fans zuversichtlich.

Nach Wiederanpfiff sorgte Jens Deffke mit seinem einzigen Tor, bezeichnenderweise vom Kreis, für den erneuten Anschluss. Und als Stefan Matz mit einem Siebenmeter den vielumjubelten Ausgleich schaffte, sprang der Funke endgültig auf das Publikum über.

Die Partie war nun eng, über 17:18 (37.) ging es bis zum 20:19 (42.) mit wechselnden Führungen. Die kurze Deckung von Hildesheims Rückraumbomber Mike Hairston durch Jantzen zeigte mehr und mehr ihre Wirkung, Hildesheim agierte im Angriff nun kopflos. Die Füchsen nutzen jetzt ihre Chancen und konnten sich in der 47. Minute erstmals einen 3-Tore-Vorsprung erspielen (23:20).

Erneut nahm Overbeck eine Auszeit und forderte mehr Engagement von seinen Spielern. Nun traf auch Hairston wieder und acht Minuten vor dem Ende waren die Niedersachsen beim 24:23 wieder zurück im Spiel. Jetzt kam die große Zeit von Stefan Matz, der mit zwei sicher verwandelten Siebenmetern die Verantwortung übernahm und die Füchse mit 26:24 in Front brachte und nach dem erneute Hildesheimer Ausgleich einen weiteren zum 27:26 verwandelte.

Es war aber Jungfuchs Denis Matthews vorbehalten, mit einem Tempogegenstoß zum 28:26 zwei Minuten vor dem Abpfiff die Zuschauer zu stehenden Ovationen zu animieren. Die Füchse-Trommler steigerten ihr Stakkato ins Unermeßliche, während Hildesheim noch die Wende versuchte, aber an den eigenen Nerven scheiterte. Roemling nutzte die Lücken der offenen Manndeckung und warf eine Sekunde vor dem Ende zum 29:26-Endstand ein.

Was folgte, waren Jubelszenen in Grün: die Spieler feierten, das Publikum war begeistert und Georgi Sviridenko bedankte sich bei Stefan Matz, der zweifellos der beste Fuchs des Abends war. Neben seinen traumwandlerisch sicher verwandelten sieben Siebenmetern verwertete er die glänzenden Anspiele seines Nebenmannes Christian Schücke ein ums andere Mal mit sehenswerten Toren. Aber auch Oldie Jörg Hermann war Garant des unerwarteten Sieges. Nach seiner Einwechselung entschärfte er immer wieder die Hildesheimer Wurfbemühungen und leitete somit die Wende ein.

Georgi Sviridenko zeigte sich nach dem Spiel höchst zufrieden mit seiner Mannschaft, die phasenweise trotz eines wenig durchschlagkräftigen Rückraums sehr sehenswerte Kombinationen zeigte. Die Zuschauer haben ihr Kommen jedenfalls nicht bereut, und feierten lautstark, unterstützt durch fünf kurzfristig beschaffte Trommeln, ihre Mannschaft.

Statistik

Tore:

Füchse: Matz (11/7), Detlof (4), Schücke (4), Matthews (3), Stupar (3), Pohlack (1), Roemling (1), Deffke (1), Jantzen (1)

Eintracht: Nikolov (13/5), Hairston (4), Bock (4), Kasmauskas (2), Tluczynski (2/1), Strube (1)

Schiedsrichter: Peter Graf (Coswig) und Jörg Mahlich (Stendal)

Siebenmeter: Reinickendorfer Füchse 7/7 (Matz verwandelt alle sicher) - Eintracht 9/6 (Georgi Nikolov (1) und Tomek Tluczynski (2) scheitern an Alberto Chamber-Montalvo)

Zeitstrafen: 9/7 - Jens Deffke (34.) und Kasmauskas (38.) mit der roten Karte nach der dritten Zeitstrafe


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Autor: olno
Artikel vom 18.01.2004, 20:52 Uhr
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